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Kein Schutz vor Unsinn beim Inline Skating

DIE KOLUMNE ZUM MITTWOCH

24.01.2001

Man nehme meist acht, immer häufiger auch schon zehn Rollen, befestige sie mit Schuhen von Aldi für schlappe 60 Rampsch-Mark oder mit angepaßten 1000-Dollar-Designer-Boots unter die zarten Füße - und ab gehts in die große Freiheit. Handy links, Kippchen rechts; das sieht cool aus.

Hut ab vor den Inline Skatern, die sich nicht vor dem Asphaltteufel fürchten. Was heißt übrigens: Hut ab? Da war doch etwas?
Stimmt! Schutzausrüstung sollen die furchtlosen Inline-Enthusiasten tragen. Seit es nach dem letzten Berlin-Inline-Marathon der jahreszeitlichen Entwicklung folgend immer kälter wurde, heizt sich die Diskussion um die Schutzausrüstung immer mehr auf. Mark in Berlin sagt: Ein bißchen ist schon mehr als gar nichts und überläßt den Rest den Versicherungen und ihren Rechtsabteilungen. Andere in Hamburg behaupten: Alles, oder nichts rollt mehr. Und der Deutsche Rollsport- und Inline-Verband verweist auf das Sportreglement, das die unorganisierten Individualisten nicht kennen.

Wie auch immer: Helm, Handwrists, Ellenbogenschoner, Knieschützer - Inline Skater in Lack und Leder, das sähe geil aus!
Nun gut - was am Körper wertvoll ist, sollte man schon wenn nicht gleich in Watte, so doch in Plastik packen. Aber was ist wertvoll? Wenn man bei Geradeaus-Rennen manche Slalom-Idioten sieht, mag man kaum annehmen, dass bei denen ein Helm wichtig ist.
Aber Ellenbogenschoner brauchen sie zwingend, damit sie sich selber keine Blessuren holen beim Wegschubsen unnötiger Hindernisse von der Piste. Knieschoner müssen auch sein. Allerdings stellt sich die strategische Frage, ob sie in der Höhe richtig angebracht sind. Schließlich gibt es Spezialisten unter den Skatern, die ihre Lauftechnik so weit entwickelt haben, dass ihre Schrittfolge dem Auskeilen von Pferden gleich kommt. Wie wäre es unter diesen Umständen prophylaktisch mit Schienbeinschonern? Wer jedoch beim Inline-Marathon schon vor dem Ziel weiche Knie bekommt, sollte auf keinen Fall auf entsprechende Protektoren verzichten. Zumal sie auch noch eine besondere erotische Ausstrahlung haben, wenn sie wie zu tief gerutschte Strapse aussehen.
Auch Handwrists haben ihren Sinn. Das kameradschaftliche Abklatschen vor dem Startschuß macht ohne sie nur halb so viel Lärm.

Man sieht: Es gibt viele gute Gründe für Protektoren beim Inline Skaten. Nur vor Unsinn kann man sich nicht schützen.

Hanspeter Detmer, Köln


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